Afrika - Ghana - Accra

Reisebericht Afrika - Ghana - Accra

Die Luft flimmerte, schwer und warm, als ich aus dem Flugzeug stieg. Es roch nach Erde, nach Gewürzen und einem Hauch von Abgasen – ein Geruch, der Accra sofort unvergesslich machte. Es war anders, viel anders, als alles, was ich bisher kannte. Ich hatte schon viel gesehen in meinem Leben, aber Afrika… Afrika stand noch auf meiner Liste der Orte, die ich unbedingt erleben wollte. Und jetzt war ich endlich hier.

Ein Lebenstraum wird wahr

Ich bin der Hans, 65 Jahre alt und im Ruhestand. Lange habe ich als Bibliothekar gearbeitet, umgeben von Büchern und Geschichten aus aller Welt. Aber Geschichten zu lesen ist eine Sache, sie selbst zu erleben, eine ganz andere. Meine Frau Elisabeth und ich hatten schon lange von einer Reise nach Afrika geträumt. Elisabeth ist leider vor zwei Jahren verstorben. Es war schwer, nach unserem gemeinsamen Traum allein anzutreten, aber ich wusste, sie hätte gewollt, dass ich gehe. Sie liebte Kunst und Kultur und hätte die Farben, die Klänge und die Geschichten Afrikas förmlich aufgesogen. Ghana, und speziell Accra, hatten wir uns ausgesucht, weil es als relativ sicher galt und eine reiche kulturelle Tradition besitzt. Ich hatte mich in den letzten Monaten intensiv mit der ghanaischen Geschichte beschäftigt, vor allem mit der Zeit des Widerstands gegen den Kolonialismus und der anschließenden Unabhängigkeit.

Erste Schritte in der Hauptstadt

Der Flughafen Kotoka International war geschäftig, aber nicht chaotisch. Die Einwanderungsbeamten waren freundlich und effizient, und schon bald stand ich mit meinem Gepäck draußen. Ein Taxifahrer winkte mich an, und nach etwas Verhandeln – das gehört ja dazu – ging es in Richtung Stadtzentrum. Schon die kurze Fahrt zeigte mir, dass Accra eine Stadt der Kontraste ist. Moderne Gebäude reihten sich an bunte, verwitterte Häuser, Straßenhändler boten ihre Waren an, und überall herrschte ein reges Treiben. Die Menschen waren lächelnd und offen, auch wenn sie mich als Fremden ausmachten.

Ich hatte ein kleines Hotel im Stadtteil Osu gebucht, das angeblich für seine Kunstgalerien und Cafés bekannt war. Und das stimmte. Schon beim Aussteigen aus dem Taxi fiel mir die lebendige Atmosphäre auf. Überall hingen bunte Kunstwerke an den Wänden, aus den Cafés drang Musik, und die Luft war erfüllt vom Duft von gegrilltem Essen. Ich checkte ein, ließ mein Gepäck fallen und machte mich sofort auf den Weg, um die Gegend zu erkunden.

Die ersten kulturellen Eindrücke

Ich begann mit einer kleinen Galerie, die sich auf zeitgenössische ghanaische Kunst spezialisiert hatte. Die Bilder waren beeindruckend, voller Farben und Leben. Sie zeigten Alltagsszenen, Porträts von Menschen und abstrakte Kompositionen. Ich unterhielt mich lange mit dem Galeristen, einem jungen Mann, der mit viel Leidenschaft von seiner Arbeit erzählte. Er erklärte mir die Bedeutung der verschiedenen Symbole und Motive, die in den Bildern verwendet wurden. Es war faszinierend, mehr über die ghanaische Kultur und Kunst zu erfahren.

National Museum of Ghana

Am nächsten Tag besuchte ich das National Museum of Ghana. Es war ein beeindruckendes Gebäude, das die Geschichte des Landes von der Vorgeschichte bis zur Gegenwart dokumentierte. Ich sah alte Skulpturen, Keramik, Textilien und andere Artefakte, die die reiche kulturelle Tradition Ghanas widerspiegelten. Besonders beeindruckt war ich von den alten Ashanti-Königstühlen, die kunstvoll geschnitzt und mit Gold verziert waren. Ich verbrachte Stunden im Museum, vertiefte mich in die Geschichte des Landes und lernte viel über die verschiedenen ethnischen Gruppen und ihre Bräuche.

Nach dem Museum spazierte ich durch die Straßen von Accra, beobachtete das bunte Treiben und genoss die Atmosphäre. Ich besuchte einen lokalen Markt, wo ich Gewürze, Stoffe und andere Souvenirs kaufte. Ich probierte auch einige lokale Spezialitäten, wie Banku und Tilapia, ein Gericht aus fermentiertem Mais und gegrilltem Fisch. Es war lecker, aber auch etwas gewöhnungsbedürftig.

Ich merkte schnell, dass Accra mehr zu bieten hatte, als nur Museen und Märkte. Es war eine Stadt voller Leben, Musik und Energie. Eine Stadt, die mich in ihren Bann zog und mir das Gefühl gab, angekommen zu sein. Und während ich so durch die Straßen wanderte, begann ich zu verstehen, dass dies erst der Anfang meiner Reise war und dass ich noch viele weitere Geschichten und Erfahrungen sammeln würde.

Kunst, Musik und ein bisschen Chaos

Am Abend entdeckte ich zufällig ein kleines Jazz-Klub in Osu. Die Musik war fantastisch, eine Mischung aus traditionellen ghanaischen Rhythmen und westlichem Jazz. Ich setzte mich an einen Tisch, bestellte ein lokales Bier und lauschte den Klängen. Der Raum war gefüllt mit Einheimischen und Touristen, und die Stimmung war ausgelassen. Ich kam ins Gespräch mit einem älteren Herrn, der mir erzählte, dass er seit Jahrzehnten Jazzmusiker sei. Er erklärte mir, wie wichtig die Musik in der ghanaischen Kultur ist und wie sie oft verwendet wird, um Geschichten zu erzählen und Traditionen zu bewahren.

Makola Market – Ein Fest für die Sinne

Am nächsten Tag wagte ich mich in den Makola Market, den größten Markt in Accra. Es war ein überwältigendes Erlebnis. Überall wimmelte es von Menschen, die feilschen, handelten und ihre Waren anpriesen. Der Lärm war ohrenbetäubend, die Gerüche intensiv und die Farben leuchtend. Ich versuchte, mich zu orientieren, aber es war fast unmöglich. Ich kaufte ein paar Früchte und Gewürze, aber ich musste aufpassen, dass ich nicht über den Tisch gezogen wurde. Einmal vergaß ich meine kleine Umhängetasche, und erst ein freundlicher Händler machte mich darauf aufmerksam. Ein kleiner Schreck, aber ich war froh, dass nichts Schlimmeres passiert war.

Cape Coast und das dunkle Kapitel der Geschichte

Ich beschloss, einen Tagesausflug nach Cape Coast zu machen, um das Cape Coast Castle zu besuchen. Es war ein bedrückendes Erlebnis. Das Schloss war einst ein wichtiger Stützpunkt für den Sklavenhandel, und die Geschichten, die ich dort hörte, waren erschütternd. Ich ging durch die dunklen, feuchten Zellen, in denen die Sklaven unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten wurden, und ich konnte mir kaum vorstellen, welches Leid sie dort erlitten haben. Es war wichtig, sich mit dieser dunklen Seite der Geschichte auseinanderzusetzen, um die Vergangenheit zu verstehen und aus ihr zu lernen. Der Blick auf den Atlantik von den Zinnen des Schlosses war wunderschön, aber er konnte die Trauer, die ich empfand, nicht lindern.

Ein ruhiger Moment in Aburi

Auf dem Rückweg von Cape Coast machte ich einen Zwischenstopp in Aburi, einem kleinen Bergort, der für seine botanischen Gärten bekannt ist. Die Gärten waren eine Oase der Ruhe und Schönheit. Ich wanderte durch die grünen Wege, bewunderte die exotischen Pflanzen und lauschte dem Gesang der Vögel. Es war ein willkommener Kontrast zu dem Trubel von Accra und Cape Coast. Ich setzte mich auf eine Bank und las ein Buch, während ich die frische Bergluft genoss. Es war ein perfekter Moment der Entspannung und Besinnung.

Die Tage in Accra vergingen wie im Flug, und ich merkte, dass ich mich immer mehr in dieses faszinierende Land verliebt hatte. Die Menschen, die Kultur, die Musik, die Kunst – alles hatte mich tief beeindruckt. Und während ich meinen Koffer packte, wusste ich, dass dies nicht meine letzte Reise nach Ghana sein würde.

Die letzten Tage in Accra vergingen wie im Flug, und ich merkte, dass ich mich immer mehr in dieses faszinierende Land verliebt hatte. Die Menschen, die Kultur, die Musik, die Kunst – alles hatte mich tief beeindruckt. Und während ich meinen Koffer packte, wusste ich, dass dies nicht meine letzte Reise nach Ghana sein würde.

Ein Abschied voller Eindrücke

Ich verbrachte meinen letzten Morgen damit, noch einmal durch Osu zu schlendern, die kleinen Kunstgalerien zu besuchen und den Duft von gegrilltem Fisch und Gewürzen einzuatmen. Es war, als wolle ich jeden Moment noch einmal festhalten, bevor ich mich verabschieden musste. Ich kaufte noch ein paar kleine Souvenirs, darunter eine handgeschnitzte Holzmaske und ein buntes Stofftuch, als Erinnerung an diese unvergessliche Reise.

Die kleinen Dinge, die bleiben

Es waren oft die kleinen Dinge, die mir am meisten in Erinnerung blieben: das Lachen der Kinder auf der Straße, die freundlichen Gespräche mit den Einheimischen, die bunten Farben der Kleidung und die rhythmischen Klänge der Musik. Ich erinnere mich an einen alten Mann, den ich auf dem Markt getroffen hatte, der mir geduldig die Bedeutung der verschiedenen Symbole auf den Stoffen erklärte. Oder an die junge Frau in der Kunstgalerie, die mit so viel Leidenschaft von ihrer Arbeit erzählte. Diese Begegnungen hatten mich tief berührt und mir einen Einblick in die ghanaische Seele gegeben.

Ein letzter Besuch im National Museum

Ich beschloss, noch einmal das National Museum zu besuchen, um die Kunstwerke und Artefakte ein letztes Mal zu bewundern. Ich verbrachte Stunden vor den alten Skulpturen und Textilien, versuchte, ihre Geschichte zu entschlüsseln und ihre Bedeutung zu verstehen. Es war, als ob ich mich von einer alten Freundin verabschieden würde.

Was ich gelernt habe und was ich weiterempfehlen würde

Diese Reise nach Accra war mehr als nur ein Urlaub. Sie war eine Erfahrung, die mich verändert hat. Ich habe gelernt, die Welt mit anderen Augen zu sehen, die Schönheit in den kleinen Dingen zu erkennen und die Vielfalt der Kulturen zu schätzen. Ich habe gelernt, dass Glück nicht von materiellen Dingen abhängt, sondern von den Beziehungen zu anderen Menschen und der Freude am Leben.

Wenn ich jemandem eine Reise nach Accra empfehlen würde, würde ich ihm sagen, dass er sich auf eine unvergessliche Erfahrung einlässt. Er sollte offen sein für neue Eindrücke, sich Zeit nehmen, um die Menschen kennenzulernen, und sich von der ghanaischen Kultur verzaubern lassen. Er sollte die Museen und Galerien besuchen, die Märkte erkunden und die lokale Musik genießen.

Und er sollte sich bewusst sein, dass Accra nicht perfekt ist. Es gibt Armut, Lärm und Chaos. Aber gerade diese Gegensätze machen die Stadt so faszinierend und authentisch. Es ist eine Stadt, die einen herausfordert, inspiriert und verändert.

Ich hoffe, ich kann bald wieder nach Accra zurückkehren. Dort warten noch viele unentdeckte Schätze und unvergessliche Begegnungen auf mich. Und ich bin sicher, dass ich noch viele Geschichten und Erinnerungen sammeln werde, die mich mein Leben lang begleiten werden.

    👤 Wanderer (55) der lange Wanderwege und Naturpfade erkundet ✍️ authentisch und ehrlich